Turku – und wieso Zugfahren in Finnland unglaublich entspannend ist
Turku – und warum Zugfahren in Finnland unglaublich entspannend ist
Die Birken biegen sich im Wind. Langsam zieht Regen auf. Ich gönne mir den Luxus der 1. Klasse – Kaffee und Tee à discrétion – und geniesse das Spektakel draussen in aller Ruhe. Keine störenden Handy-Telefonierer weit und breit – für die gibt’s kleine Kabinen, in die sie sich zurückziehen können.
Digitalisierung in Aktion: Auf der Live-Map kann ich verfolgen, wo unser Zug gerade ist und welche anderen Züge unterwegs sind – eine freundliche ältere Dame hat mir das gezeigt.
Übrigens: Das Klischee von den distanzierten, introvertierten Finnen kann ich bisher nicht bestätigen. Hier wird man herzlich empfangen – ich werde laufend angesprochen (auf Finnisch, aber wenn ich auf Englisch antworte, ist das kein Problem, das Englisch-Niveau ist quer durch alle Altersgruppen top). Tipps für Spazierwege und Leckereien gibt’s inklusive.
Ankunft in Turku
Der Bahnhof von Turku wird gerade renoviert – keine Schliessfächer, jänu. Also schultere ich meinen Rucksack und mache mich auf Richtung Stadtzentrum. Erst über den Hügel drüber (bei schönem Wetter hätte man hier eine fantastische Aussicht – heute: Wolkenverhangen und grau). Dann stehe ich schon auf dem Marktplatz. Viele Beizlis, aber mein Ziel ist klar: Ich suche das bekannte Café Qwensel, um die Zeit zu überbrücken, bis mein Apartment bezugsbereit ist.
Das Café liegt im Qwensel-Haus, dem ältesten erhaltenen Holzgebäude Turkus (erbaut um 1700). Im Innenhof befindet sich das Apothekenmuseum mit einer originalgetreu eingerichteten Apotheke aus dem 19. Jahrhundert. Kopf einziehen!
Das Café ist auch bei Einheimischen sehr beliebt. Um drei Uhr nachmittags ist jeder Platz besetzt. Während ich meinen Apfel-Mandel-Kuchen und Tee geniesse, habe ich dreimal wechselnde Tischnachbarn – und jedes Mal wieder einen Schwall Finnisch. (Ich überlege gerade: Wie lange redet man bei uns in so einer Situation? „Ist hier noch frei?“ „Danke.“ – oder kommt da noch mehr?)
Ein Spaziergang führt mich weiter dem Fluss Aura entlang, vorbei an imposanten Schiffen. Hier begegnen sich Vergangenheit und Zukunft – dargestellt durch zwei Statuen, wobei das „Morgen“ ein „Luismeitli“ ist. 😉
Mein Ziel: Kakola, wo ich die nächsten Tage wohnen werde.
🏰 Kakola – Vom Gefängnis zum Hipster-Spot
Kakola war früher das berüchtigtste Gefängnis Finnlands – auf dem Hügel Kakolanmäki wurden Schwerverbrecher wie Serienmörder Matti Haapoja weggesperrt. Nach der Schliessung 2007 wurde das Areal komplett umgebaut: Heute findest du dort stylische Wohnungen, ein Hotel, die Kakola Brewing Company (in der ehemaligen Gefängnisküche) – und eine fantastische Bäckerei mit Sauerteigbrot.
Und es gibt sogar einen Funicular, um bequem auf den Hügel zu gelangen.
(Mein Apartment hat übrigens einen sehr speziellen Türmechanismus: Drei mal klopfen, dann öffnet sich das Schloss. Fast wie beim Foxtrail! Als ich abends im Bett liege, frage ich mich allerdings, ob alle Türen denselben Mechanismus haben – und dass ich nicht herausgefunden habe, wie man das Hightech-Schloss abschliesst. So Gedanken kommen einem wohl nur, wenn man zu viele dunkle finnische Krimiserien schaut. Ich wäre besser bei den Mumins geblieben.)
Things to do in Turku
- Kakola: Ehemaliges Gefängnis, heute hippe Beizlis, Bäckerei, Apartments, Hotel & Spa. Bestes Sauerteigbrot in allen Formen – von Vollkorn bis Zimtschnecke.
- Ausflug nach Ruissalo: Mit dem Wasserbus auf die Schäreninsel, entlang der Promenade bunte Villen bestaunen, durch märchenhafte Wälder spazieren und Gänsefamilien mit ihren Küken beobachten.
- Markthalle Turku: War leider geschlossen, soll aber grossartig sein.
- Dom von Turku: Mit eindrucksvollen Gräbern, dient als Versammlungsort für verschiedene Gruppen.
- Tee & Kuchen im Café Qwensel: Zeitreise ins 19. Jahrhundert – Köstlichkeiten auf Porzellan mit Goldrand.
Fun Facts
- Turku ist die älteste Stadt Finnlands – gegründet 1229, war sie einst das wichtigste Handelszentrum des Landes.
- Turku war die erste Hauptstadt Finnlands (1809–1812), bevor Helsinki den Titel übernahm – näher an Russland, weiter weg vom schwedischen Einfluss.
- Die Stadt hat ein „Flussproblem“: In Turku streitet man bis heute, welche Seite des Flusses Aura „die richtige“ ist – die Einheimischen sagen: „Die andere Seite ist immer die falsche.“ (Die Basler können das sicher gut nachvollziehen. 😉)































