Salzburg – Stadt der Gegensätze

Mei, sind die Salzburger alle schön angezogen!

Am Abend für die Mozartkonzerte, am Morgen schick zur Arbeit.
Als Rucksacktouristin falle ich da ein wenig ab. Wobei – gar nicht so sehr, denn ganze Scharen von Touristen wälzen sich durch die schnuckeligen Gässchen von Salzburg.

Und fit sind die Einheimischen! Die einen joggen den steilen Berg zur Hofburg hoch (lässt sich übrigens auch gemütlich zu Fuss machen), und die Ampeln schalten in Rekordschnelle um.
Nicht plämperln! Auch wenn ich unbedingt die Ampelmännchen & -frauchen festhalten musste – sogar die verströmen die Herzlichkeit der Stadt.


🏰 Die Barockstadt im Erbe der Erzbischöfe

Salzburg ist gut geschützt – vom Mönchsberg, der imposanten Festung Hohensalzburg (inklusive Comic-Guide!) und dem Fluss Salzach. In der Altstadt liegen Dom, Stiftskirche und Kollegienkirche dicht beieinander. Daneben: der wildromantische Petersfriedhof, künstlerische Seitenkapellen, lauschige Innenhöfe – und ganz viel zu entdecken.
Dazu kommen:

  • die älteste Universität Österreichs,
  • die älteste Buchhandlung (Höllrigl),
  • und die besten (wahlweise: ältesten, originalsten, vegansten) Mozartkugeln.

🇦🇹 Der Österreicher – eine Spezies für sich

Fleisch wird in rohen Mengen zelebriert („Celebrating Schnitzel Love“), jede Eisdiele hat einen Superlativ (erstes Schafsmilcheis Österreichs!World Champion 2021 Eis!), und beim Tod des Papstes knallen die Böller – wobei sich die Einheimischen nicht ganz sicher waren, ob das nicht doch einem Mozartkonzert galt.


🎼 Apropos Mozart

Er war gar kein Österreicher. Zur Zeit seiner Geburt gehörte Salzburg zum „Toitschen Reich“. Die Österreicher behelfen sich seither damit, dass er immerhin Salzburger war.
Die Kunst des Weglassens.


🌸 Mirabell – Palast & Garten

Der Sommerpalast Mirabell samt Garten war der Rückzugsort der barocken Bischöfe – zur Erholung und zum Nachdenken. Vielleicht auch, weil die kleinen Kachelöfen denkbar ungeeignet waren, um hohe Räume durch kalte Winter zu bringen.

Schloss Mirabell

Inspiriert von barocken Gegensätzen wandelten die Bischöfe durch ihr Refugium: Stellten sich auf Augenhöhe mit griechischen Gottheiten auf der Marmortreppe – und gleichzeitig zwischen ausdrucksstarken Statuen kleinwüchsiger Menschen im Zwergerlgarten.
(Die Bayern verkauften diese Statuen später im Klassizismus – sie passten nicht zum Ideal des Schönen und Vollendeten. 18 der 28 Figuren wurden mittlerweile zurückgekauft.)

Ein Überbleibsel des bayrischen Einflusses: zwei schöne, klassizistische Löwen, die den Garten bewachen.
Und der Pegasus? Eine Erinnerung daran, dass Bischöfe nicht nur tief in Steuererklärungen und die Verwaltung von Höfen eintauchen sollten, sondern sich auch zu kreativen Höhenflügen erheben. Auf Neudeutsch: Managementklausuren oder Retreats, und dabei ist es einfach barockes Erbe 😉

(Mirabellen gibt’s übrigens keine. Der Name kommt von Mira + Belle – wunderschön schön.)


Übrigens schreibe ich das gerade aus dem Zug, irgendwo im Nirgendwo zwischen Salzburg und Graz – mit Blick auf Bergwelten, kleine Dörfer, grosse Kirchen und Schneereste.


🎭 Noch ein letzter Funfact

Das Adelspräfix „von“ wurde 1919 in Österreich verboten – niemand sollte aufgrund seines Erbes bevorteilt werden.
Herbert von Karajan war darüber so verstimmt, dass er Salzburg den Rücken zukehrte.
Ironischerweise war er es, der später 1960 das grosse Salzburger Festspielhaus eröffnete.

Titel sind in Österreich trotzdem wichtig, sind ja schliesslich selbst erarbeitet:
Magister Steuerberater steht am Türschild, Schuhmachermeister auf dem Grabstein, Kirchenrektor auf der Gedenktafel.


💛 Empfehlung

All das habe ich Frau Anna von Fairtours Salzburg zu verdanken. Herzensempfehlung für alle, die vertieft und kurzweilig in Geschichte und Kultur eintauchen wollen!
www.fairtours.at


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3 Comments

  1. Liebe Patricia
    Danke, dass ich Dich über diesen Blog bei Deiner spannenden Reise begleiten darf. So kann man immer auch etwas mitreisen.
    Ich freue mich, von den spannenden Erfahrungen, vielen bunten Erlebnissen und gesammelten Informationen und Funfacts zu lesen.
    safe travel!
    Barbara

  2. Bis 1803 waren es übrigens Fürstbischöfe. Sie hatten auch die weltliche Herrschaftsgewalt inne. Das gab ihnen eine besondere Stellung im römischen Reich

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