Liestal – Salzburg, 23. April 2025
Warum ich losgezogen bin
„Chunt scho guät.“
Ein gepackter Rucksack. Und zwei Monate Zeit für das, was unterwegs auftaucht.
Rucksack gepackt.
Überraschend leicht fiel es mir, mich auf das Minimum zu beschränken. Alles, was ich aufs Bett gelegt hatte, passte auf Anhieb hinein. Eine detaillierte Planung über zwei Monate? Illusion. Ich kenne weder Wetter noch Route, geschweige denn, was ich alles unternehmen möchte. Also kann ich auch nicht wissen, was ich brauche – ausser: Flexibilität. Und eine gewisse Anspruchslosigkeit. Der berühmte Pragmatismus. Chunt scho guät.
Ein wenig mulmig war mir beim Abschied schon. Und als am Bahnhof in Zürich alle Pärchen freudig auf den Eurocity warteten, fühlte ich mich das erste Mal allein. (60 Minuten, nachdem ich aufgebrochen bin. Brava, Patricia!)
Slow Travel.
Der Zug nimmt das ernst. Wir bleiben immer wieder stehen – Umleitungen. Aber alles ist eingeplant, sagt der Kondukteur. Vielleicht ist das eine schöne Metapher für meine Reise: Ich habe ein Start- und ein Enddatum (auch wenn ich mir sage: Wenn es reicht, kannst du einfach nach Hause gehen). Ich habe ein Spielfeld – eingegrenzt durch mein Interrail-Europaticket – und eine Richtung: ostwärts, dann gen Norden. Im Gegenuhrzeigersinn.
Der Zug bedeutet für mich Entschleunigung. Die Landschaft zieht vorbei. Ich spüre Distanz und allmähliche Veränderung. Ich bin inmitten von Menschen – und doch ganz bei mir. Ich kann entscheiden, in welchen Zug ich morgen einsteige. Und ob ich vielleicht auch mal einfach sitzen bleibe.
Was zieht mich nach Nordosteuropa?
Das Unbekannte. Eine diffuse Faszination, seit ich Die Hunde von Riga von Henning Mankell gelesen habe. Das Baltikum hat etwas Dunkles, Geheimnisvolles. Auch etwas Schräges, Rebellisches, Eigenständiges – und Innovatives: Estland ist das Vorzeigeland für Digitalisierung.
Ich weiss bisher wenig über die drei Länder. Hanseatische Einflüsse, die sowjetische Vergangenheit – und dass sie sehr unterschiedlich sind. Sich so gar nicht als „das Baltikum“ verstehen.
Die baltische Kette.
Und doch haben sie am 23. August 1989 eine rund 675 Kilometer lange Menschenkette gebildet: Von Vilnius über Riga bis nach Tallinn.
Ein friedlicher Protest gegen die sowjetische Annektierung. Ein Zeichen der Hoffnung, der Einigkeit, des Muts – und des Wunsches nach Freiheit und Unabhängigkeit.
Ein Spiegel dafür, dass nicht alles, was uns selbstverständlich erscheint, es auch ist.
🡒 Quelle: thebalticway.eu
Fragen für die innere Reise
Vielleicht ist das auch passend für meine innere Reise.
Was ist mir wirklich wichtig?
Was fehlt noch?
Und was lasse ich zurück?
Was verbindet – über Grenzen, Kulturen, vielleicht sogar Epochen hinweg?
Das sind einige der Fragen, die ich mitnehme.
Ich bin gespannt, was ich im Äusseren – und im Inneren – entdecke.

Guten Start und gute Reise. Freie Fahrt zu freien Menschen, die damals sehr mutig waren.
Wie wahr, vielen Dank Ronald!
Bravo Pathie! Das chunnt uf jedefall guet wenn nid super guet! Ich bin gespannt auf deine Erlebnisse und folge dir:-)
Chapeau…ein solches Vorhaben braucht Mut, Vertrauen, Elan, Energie, Entdeckergeist, Humor – ich bin stolz auf dich und finde es mega toll, dass du die Herausforderung annimmst und dich auf diese spannende (Entdeckungs)Reise machst. Natürlich werde ich deinen Blog gespannt verfolgen.
Auf spannende und erfüllende Begegnungen im Innen und Aussen! 💖💫🪷🦋
blessed be 🐱🧙♀🐱
Liebe Patricia
Ich bin so gespannt, was Du alles entdecken wirst und freue mich, durch Deinen Blog Deine Reise etwas mitreisen zu können. Du wirst sicherlich viele spannende Erlebnisse machen.