Ab ins Grüne, in die Region der Hohen Tatra

Strbske Pleso (27.–29. April)

Ich verlasse Bratislava und fahre durch eine endlose Ebene. Stunden später tauchen die ersten Berge am Horizont auf: die Hohe Tatra!
Zuerst lerne ich allerdings die Logik der slowakischen Eisenbahn besser kennen: Mein kleiner Umsteigebahnhof Strba ist wohl zu unbedeutend. Ohne Zugsdurchsage verpasse ich den Ausstieg. Zwar bemerke ich den Halt, doch der Blick aus dem Fenster lässt mich fälschlicherweise glauben, dass ich irgendwo mitten in der Pampa gelandet bin. Der nächste Stopp – Poprad – wird dann mehrfach lautstark angekündigt. Nun ja, dann eben ein kleiner Umweg.

Strbske Pleso – man spricht es tatsächlich so aus, wie es geschrieben wird: Scht-r-b-ske Pleso. Betonung auf der ersten Silbe.
Der Self-Check-in in der Villa Emma gelingt problemlos (laut Google Translate bin ich übrigens in der „Abscheulichen Emma“ gelandet!). Eine einfache Pension – aber der Blick aus dem Hotelzimmer haut mich um: Wald, soweit das Auge reicht! Ein grünes Meer breitet sich vor mir aus.

Naturerlebnis pur am Strbske Pleso

Ein Spaziergang führt mich zum Strbske Pleso (See). Unbeschreiblich schön: Waldduft, Vogelgezwitscher, schneebedeckte Berge und kalte, klare Luft (wir sind auf 1346 m ü. M.) treiben mir die Tränen in die Augen.
Im Hintergrund thront die alte Skischanze, daneben das Patria Hotel – entworfen vom tschechischen Architekten Zdenek Rihak, der auch das Hotel Panorama schuf. Überhaupt ist der Kontrast zwischen Bergwelt und sowjetischer Brachialarchitektur überraschend. Da hier 1970 die nordische Ski-WM stattfand, entstanden damals viele Gebäude im Stil der Moderne, was dem Kurort zu einem Modernisierungsschub verhalf. Chalets und Holz gibt es ja genug in anderen Ländern – hier setzte man auf Beton und Stahl.
(Wer moderne Infrastruktur sucht, wird in Stary Smokovec fündig. Im Ortszentrum reihen sich Sportgeschäfte und moderne Hotelanlagen aneinander.)

Wandern trotz Wintersperre

Am nächsten Tag mache ich eine kleine Wanderung. Die höheren Lagen sind noch gesperrt (verriegelt mit Baumstämmen). Ich überlege kurz, das Verbot zu ignorieren – entscheide mich dann aber dagegen: In dieser Region ist der Mensch nicht an der Spitze der Nahrungskette.
Die Rundwanderung zum Popradské Pleso ist problemlos machbar und führt durch wunderschöne Natur. Der See ist noch von einer dicken Eisschicht bedeckt, und zwei „Eisbrecher-Enten“ knacken sich lautstark ihren Weg durchs Uferschilf auf Futtersuche. Als sie mich entdecken, verwandeln sie sich in Bettelenten – leider ohne Erfolg.
Diese Region kommt definitiv auf meine Wanderliste: Die Tatranská magistrála, ein 72 Kilometer langer Fernwanderweg, führt durch die slowakische Seite der Hohen Tatra. Ab Juni ist der Weg geöffnet – aktuell gehört die Gegend noch den Bären, Gämsen, Auerhühnern und Murmeltieren.
Und die Berghotels sehen lauschig aus – ein wichtiges Kriterium für lange Wanderungen. 🙂

Gute Infrastruktur – wenig Englisch

Die Region ist touristisch gut erschlossen: tolle Infrastruktur (Bahn, Bus, Restaurants, Unterkünfte) und viele Informationsschilder zur Geschichte des Ortes sowie zur lokalen Fauna und Flora. Englisch spielt eine untergeordnete Rolle: Abseits der Hotspots sind die Schilder ausschliesslich auf Slowakisch. Viele sprechen aber Englisch, und wenn es nur ein paar Brocken sind. Reicht völlig 🙂

Auch die Durchsagen am Bahnhof Strba sind einsprachig. Mein Zug Richtung Krakau am nächsten Tag hat wohl Verspätung. Orientierung bieten die Mitreisenden – elektronische Anzeigen gibt es nicht. Als die älteren Damen einfach auf den Gleisen warten, folge ich ihrem Beispiel: Zu Recht, denn der Zug kommt nur wenige Minuten später.
Welches Gleis der Regiojet ansteuert, ist egal – man kann einfach über die Schienen laufen. Easy peasy.


🎥 Fun Fact:

  • Strbske Pleso war Kulisse für zahlreiche Filme, z. B. Pan Tau (tschechisch-deutsche Koproduktion, 1988). Wer kennt’s noch?

Meine Tipps für Strbske Pleso

  • 🌿 Übernachten in der Villa Emma – gemütliche Zimmer, fantastisches Frühstück. (Link)
  • 🌿 Proviant shoppen im kleinen Supermarkt – viele spannende slowakische Produkte entdecken!
  • 🌿 Fernwanderung einplanen – ab Juni könnt ihr auf der Tatranská magistrála die Bergwelt durchqueren.
  • 🌿 Ausflug nach Zakopane – per Flixbus leicht erreichbar und eine tolle Möglichkeit, auch die polnische Tatra zu erleben. Mach ich nächstes mal 😉

(Der Einfachheit halber lasse ich die Akzente auf den Ortsnamen weg. Die slowakische Sprache ist da noch reichhaltiger ausgestattet als das Französische. 😊)

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One Comment

  1. Pan Tau, der Herr mit der Melone auf dem Kopf. Kenne ich noch. Einer der Exportschlager der CSSR damals neben Hurvinek und Spejbl. Zwei lustige Puppen, Vater und Sohn, die immer so schön gesprochen haben.

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