Bergen – Zwischen hanseatischem Erbe und norwegischer Gelassenheit

Alle sind in Blau, Weiss, Schwarz oder Grau gekleidet. Warum? Willkommen im Land des Janteloven – einem unausgesprochenen sozialen Kodex, der besagt: «Du sollst dich nicht von anderen abheben.»
Was es mit Janteloven auf sich hat

Ich habe das Prinzip in der Praxis erlebt, als ein Zug ausfiel und wir über eine Stunde auf einen Ersatzbus warten mussten. Während Tourist:innen nervös telefonierten, Taxis zu organisieren versuchten und sich über die norwegische Wirtschaft ausliessen („nur reich wegen Öl, sonst keine Leistung, keine Kundenorientierung“), blieben die Einheimischen vollkommen ruhig.
So eine Wartesituation ist ein wunderbares Freiluftlabor für menschliches Verhalten.

Was ich am Reisen in Norwegen liebe: Man fällt nicht auf, wenn man den ganzen Tag in Wanderschuhen und Outdoorjacke herumläuft. Hier ist Funktionalität Stil – und niemand interessiert sich dafür, was du trägst.

Die Schönheit von Norwegen wird hier komprimiert: Bunte Holzhäuser, Hafen, aber auch Fjorde und Berge befinden sich in unmittelbarer Nähe (mit Gletscher, auf läppischen 1000 Meter). Wie ein kanadischer Tourist treffend meinte:
«Norwegen ist wie British Columbia – nur viel dramatischer.»


Hanseatisches Erbe: Bryggen – das Herz von Bergen

Das Viertel Bryggen mit seinen ikonischen, farbigen Holzhäusern ist das wohl bekannteste Wahrzeichen von Bergen – und ein UNESCO-Weltkulturerbe. Hier war jahrhundertelang das Zentrum der Hanse. Die deutsche Kaufmannsgilde betrieb von Bergen aus regen Handel mit Stockfisch und Getreide, und ihre Niederlassung bestand fast 400 Jahre lang – länger als in jeder anderen Hansestadt.
Beim Spaziergang durch die engen Gassen zwischen den schiefen Lagerhäusern lässt sich die Geschichte geradezu greifen. Besonders eindrücklich: das Hanseatische Museum und das restaurierte Schøtstuene-Versammlungshaus.


Things to do in Bergen

  • Spaziergang durch die lauschigen Quartiere mit bunten Holzhäusern – z. B. in der Stølegaten oder auf dem Hügel Nygårdshøyden, oft weit weg vom Trubel der Touristenpfade.
  • Besuch des Freiluftmuseums Gamle Bergen, das das Stadtbild des alten Bergens mit mehr als 40 historischen Gebäuden nachzeichnet. Tipp: Unbedingt eine Führung mitmachen!
  • Die sieben Berge von Bergen entdecken – z. B. Fløyen oder Ulriken. Wer Lust auf Bewegung hat, wandert über den Höhenweg von Gipfel zu Gipfel. Für alle anderen: mit der Standseilbahn zum Fløyen fahren (Made in Switzerland!) und dort den Ausblick bei einem Apéro oder Nachtessen geniessen.
  • Tagesausflug zur Flåmbahn (Myrdal – Flåm) – eine der spektakulärsten Zugstrecken der Welt. Kombinierbar mit einer Fjordschifffahrt oder einer Wanderung durch das Tal zurück, um den Anblick der Bergwelt noch länger zu geniessen. Oder für Adrenalinjunkies: mit der Zipeline ins Tal flitzen!

Fun Facts

  • Bergen ist die regenreichste Stadt Europas – Regenschirm mitnehmen lohnt sich trotzdem nicht, denn bei Wind kommt der Regen eh von der Seite.
  • Bergen war bis 1830 die grösste Stadt Norwegens – heute ist sie die zweitgrösste, bleibt aber das kulturelle Herz des Westens.
  • Edvard Grieg, Norwegens bekanntester Komponist, wurde in Bergen geboren. Sein Wohnhaus Troldhaugen kann besichtigt werden – inklusive Konzerten im Sommer.
  • Die Einwohner:innen von Bergen nennen sich selbst Bergensere – und sind stolz auf ihren eigenen Dialekt und ihre etwas rebellische, maritime Identität.

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